Fläche am Tag der Aussaat

Tag 1: Aussaat am 23. Mai 2019

Bei warmem, trockenem Maiwetter mischten meine Tochter und ich das Saatgut wie empfohlen mit etwas Sand und verteilten es möglichst gleichmäßig auf die vorgesehene Fläche. Dort haben sich einzelne Pflanzen bereits selbst ausgesät (einige Gräser, der obligatorische Löwenzahn, Ehrenpreis...). Diese Pflanzen haben jedoch überwiegend gelbliche Blätter und es ist nicht zu beurteilen, ob die Pflanzen durch den sehr trockenen Boden so mitgenommen aussehen, oder ob die Gärtner doch - entgegen der Absprache - den Boden mit Pflanzenschutzmittel behandelt haben. Nichtsdestotrotz versuchen wir unser Glück. Mit Unterstützung der Nachbarskinder wurde mit für diese Fläche zu kleiner Gießkanne alles gewässert. Eine größere Gießkanne muss wohl noch her.

Tag 2:

Es wird gewässert, da es entgegen der Vorhersagen nicht geregnet hat. Mitleidiger Kommentar eines Passanten: "Da haben Sie ja zu tun mit der kleinen Kanne..." Das stimmt aber gleichzeitig sind ca. 15 Liter nicht besonders viel auf gut 10 qm Boden.

Tag 3 und 4:

Wir waren übers Wochenende weg und die Sonne war da. Ist jetzt schon alles zu trocken geworden?

Tag 5:

Ich wässere die Fläche, sehe einige kleine grüne Keimlinge und hoffe, dass es doch kein Pflanzenschutzmittel war. Aber auch der Hundehaufen mitten im Beet ist nicht hilfreich. Ich plane den Kauf einer größeren Gießkanne, aber zumindest geht ein Regenschauer nieder und hilft mir. Außerdem will ich die Fläche kennzeichnen als potenzielle Blumenwiese.

Tag 6:

Die Beschriftung für interessierte Passanten mit dem Verweis auf Naturalium.de steht und eine neue Gießkanne habe ich auch besorgt. Heute kann die allerdings noch Urlaub machen, da es ausreichend regnet.

Beet mit Schild

Tag 12:

Das Wochenende war heiß und trocken, ich habe gegossen und inzwischen insgesamt sicher über 100 L Wasser auf der Fläche verteilt, bei über 30 Grad Celsius kommt einem das aber wie ein Tropfen auf dem heißen Stein vor (mit der neuen Gießkanne bin ich immerhin wesentlich schneller). Trotzdem sind immer mehr kleine grüne Keimlinge zu sehen, bei denen ich sehr gespannt bin, zu was sie sich entwickeln. Schön finde ich, dass man immer wieder mit Nachbarn und Passanten ins Gespräch kommt, von dem Projekt erzählen kann und bisher nur positives Feedback zu hören war.

6.6.2019 (Tag 15):

Gestern hat es ausreichend geregnet und es brechen viele kleine Pflanzen aus dem Boden. Bei vielen scheint es sich um Wolfsmichgewächse zu handeln, die in anderen Teilen des Beetes vorkommen und sich wohl ausgebreitet haben. Laut www.die-honigmacher.de bieten sie den Bienen nur geringe Mengen an Pollen und Nektar. Auf der genannten Website lassen sich u.a. für den heimischen Garten Empfehlungen für ertragreiche Bienenweiden finden. Auch interessant und v.a. auch die Wildbienen einbeziehend ist das Buch: "Rettet die Bienen - Bunte Lebensräume für Stadtbienen" von Inga R. Wulf. Wie leben die verschiedenen Bienen, was brauchen sie und was kann man selber tun sind die Schwerpunkte des Buches. In Bad Homburg ist es auch in der Stadtbibliothek erhältlich - sobald ich es wieder zurück gebracht habe...

27.6.2019 (nach gut einem Monat):

Nachdem es bereits die letzten Tage heiß war und wohl auch trocken und heiß weitergeht, gehe ich ab uns zu mal gießen, wässere aber nur begrenzt, da es sich bei den ausgesähten Arten um Wildblumen handelt, die auch mit einer gewissen Trockenheit umgehen können sollten. Ich gebe nur etwas Starthilfe. Diese macht sich bereits bezahlt und die Fläche wird immer grüner. Inzwischen sind die ersten Blüten von Vergissmeinnicht und Acker-Senf zu sehen und sofort finden sich die ersten Insekten ein: Schwebfliegen, Feuerwanzen, Siebenpunktmarienkäfer und eine kleine Wildbiene konnte ich bereits beobachten.

Acker-Senf mit Schwebfliege

10.7.2019:

Die anhaltende Trockenheit macht den Pflanzen sehr zu schaffen. In der einen Ecke von ca. 1 qm sind trotz meiner Gießeinsätze alle Pflanzen vertrocknet. Ich kann gar nicht so viel Wasser verteilen, wie gebraucht würde. Da auch in der nächsten Zeit kaum Regen angesagt ist und in vielen Regionen die Wasserknappheit zunimmt, mag ich auch nicht zuviel Wasser verteilen, dass vielleicht irgendwo dringender gebraucht wird. Außerdem wird es irgendwann auch eine finanzielle Frage... Nichtsdestotrotz sind gestern die ersten beiden Kornblumen aufgeblüht. Auch das Taubenkropf-Leimkraut kann man wachsen sehen. Außerdem blüht eine Salbeipflanze, die sich wohl aus dem Bestand selbst ausgesäht hat, aber auf jeden Fall ins Blumenwiesenkonzept passt.

19.7.2019:

Juhu, es hat wieder mal etwas geregnet. Den durstigen Pflanzen hilft das sehr. Die Fläche hat sich mit verschiedensten Pflanzenarten gefüllt. Zur Blüte hat es inzwischen auch ein Klatschmohn gebracht, der Acker-Senf bildet inzwischen die ersten Schoten, um sich für die nächste Saison wieder selbst auszusäen. Der Kreislauf beginnt...

Hier sind ein paar aktuelle Bilder der Fläche:

1.8.2019 (nach gut 2 Monaten):

Trotz der hohen Temperaturen kommen immer weitere Arten zur Blüte: auch die Malve, der Ackergauchheil sowie die Kamille blühen nun. Leider haben sich trotz meiner Gießbemühungen an den Rändern trockene Streifen gebildet. Desertifikation (Wüstenbildung) im Kleinen ist also zu beobachten, wogegen es in der Mitte der Fläche grünt und blüht.

Wenn ich mich umsehe, finde ich immer mehr Aktionen für die Insekten. Kommunen, Interessensgemeinschaften und sogar die Kirche engagieren sich. Zur Zeit bin ich dabei, die Aktionen, die mir begegenen fotografisch zu sammeln und werde sie hier bald vorstellen. Machen auch Sie mit! Haben Sie in letzter Zeit Ihren Garten insektenfreundlich umgestaltet? Dann schicken Sie mir ein Foto davon (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) und ich stelle auch Ihren Einsatz vor.

Wer sich übrigens mal einen schnellen Überblick über Bienen und Hummelarten sowie geeignete Pflanzen für Balkon und Garten informieren will, ist mit dem Buch "Bienenparadiese für Garten & Balkon" von Erika Börner gut bedient. Auch dieses Buch ist in der Bad Homburger Stadtbibliothek in der Rubrik Garten / Pflanzen- und Tierschutz zu finden. Wer allerdings selber wirklich aktiv werden will, sollte zu fundierterer Literatur greifen (v.a. im Bereich Bau von Insektenhotels).

23.8.2019:

Genau drei Monate sind seit der Aussaat vergangen. Damit ist es an der Zeit eine erste Zwischenbilanz zu ziehen: Trotz vor allem am Anfang sehr trockener Phasen sind viele Samen (ob ausgesät oder hingeweht) aufgegangen. Die gut 10 qm Fläche sind mit dichtem Pflanzenbewuchs verschiedenster Arten bedeckt und ein Kaninchen hätte an dem frischen Grün seine helle Freude. Vor einigen Tagen zählte ich dort aktuell mehr als zehn blühende Pflanzenarten (u.a. Gemeines Greiskraut, Acker-Senf, Malve, Ackergauchheil, Geruchlose Kamille, Klatschmohn, Kornblume, Ehrenpreis, Weidenröschen, Storchenschnabel, Acker-Stiefmütterchen, Kleinblütiges Knopfkraut, Wegerich und verschiedene Lichtnelken wie die Weiße Lichtnelke). Dazu kommen einige Arten, die noch keine Blüten gebildet haben, deren Blätter aber deutlich zu sehen sind (z.B. Wiesenlöwenzahn, Wicke, Wilde Möhre und Schafgarbe). Dazu summt immer etwas durch die Gegend: verschiedene Schwebfliegen wie die Gemeine Winterschwebfliege oder die Mistbiene konnte ich beobachten, sowie verschiedene Bienenarten, Hummeln (v.a. Steinhummeln) und Wanzen (v.a. Feuerwanzen). Leider ist es schwierig, die teilweise sehr kleinen, oft fliegenden Insekten vor die Kamera zu bekommen. Es ist jedoch ausgesprochen befriedigend zu sehen, wie gut und vielfältig sich die Fläche entwickelt hat vor allem auch im Vergleich zu den benachbarten Flächen.

Blumenwiese nach 3 Monaten

Einen Dank möchte ich auch allen Nachbarn und Passanten aussprechen, von denen ich ausnahmslos positives Feedback bekommen habe, was mich wirklich überrascht hat. Es zeigt, dass das Bewusstsein für unsere unmittelbare Umwelt und vor allem unsere sechsbeinigen Mitbewohner stark zugenommen hat und dass zum Glück viele Menschen die Artenvielfalt der "Unkräuter" dem artenarmen Golfrasen vorziehen. Das macht viel Mut, das Projekt weiterzuführen.

Eine Herausforderung steht aber wohl noch an: die Mahd. Auch eine Blumenwiese muss gemäht werden - damit sich nicht nur wenige, starke Arten durchsetzen, sondern die Vielfalt auch im nächsten Jahr erhalten bleibt. Empfohlen wird dafür die Mahd per Sense, eine Methode, die ich mir im Moment für meine Fläche nicht vorstellen kann, da ich weder eine Sense besitze noch Erfahrung im Absensen. Die Wiese soll im Prinzip in der zweiten Junihälfte (nicht im ersten Jahr) und im August gemäht werden, wenn die Pflanzen abgereift sind und sich wieder selbst ausgesät haben. Eventuell kann noch Mitte bis Ende Mai eine dritte Mahd erfolgen. Ich denke, aufgrund der Trockenheit im Juli sind die Pflanzen im Moment noch nicht soweit und ich hoffe, dass mir in den nächsten Wochen eine Lösung für dieses Problem einfällt...

1.9.2019:

Weitere Pflanzen sind aufgeblüht: z.B. das Gewöhnliche Leinkraut. Auch weitere Insektenarten konnte ich auf der Blumenwiese beobachten: eine Grüne Stinkwanze wie auch ein Weibchen des Kleinen Kohlweißlings beim Ablegen ihrer Eier auf den Blättern.

Ein bisschen gegärtnert habe ich allerdings auch: die auf dem Foto oben im Hintergrund erkennbare Späte Goldrute habe ich bis auf die Wurzeln zurückgeschnitten, da es sich dabei um eine problematische, invasive Art handelt. Sonst wächst im nächsten Jahr auf der Fläche nur noch die Späte Goldrute...

Hier geht es demnächst weiter....